Montag, 1. April 2013

Kann Bitcoin mit unserem Wirtschaftssystem funktionieren?

Bitcoin ist eine neue Form von elektronischem Geld, die mittlerweile auch häufiger in den Schlagzeilen war und dementsprechend relativ bekannt ist. Die Idee der alternativen, dezentralen und virtuellen Währung hat tatsächlich bestechende Argumente und einen gewissen Charme.
Da im Zuge der Zypernkrise der Kurs stark gestiegen ist, lasse ich mich mal zu folgender Frage hinreißen: Kann Bitcoin mit unserem Wirtschaftssystem funktionieren?

Quelle: Wikipedia
Die Menge der verfügbaren Bitcoins sind per Definition auf ca. 21 Millionen begrenzt. Laut dieser Darstellung wird diese ungefähr im Jahr 2033 erreicht sein. Dabei wird sich das Geldmengenwachstum ungefähr entsprechend dieser Kurve entwickeln.

Diese Begrenzung der Geldmenge wird von Befürwortern als wesentlicher Vorteil gegenüber unserem herkömmlichen Papiergeld (EUR, USD,...) bezeichnet, da im Gegensatz zur laufenden Geldpolitik aller großen Notenbanken nicht einfach Geld gedruckt werden kann. Damit kann das System nicht in eine Inflation gezwungen werden, was aktuell aber durch die Notenbanken versucht wird, da diese das kleinere Übel gegenüber einer wirtschaftlichen Depression ist. Leidtragende werden die Kleinsparer sein, die Ihr Geld nicht in Sachwerte diversifiziert haben.

These: Wenn ich oben stehende Grafik der Bitcoin-Schöpfung anschaue, kann es nur eine logische Konsequenz geben: Ich kaufe jetzt Bitcoins und bunkere sie, weil sie zwingend an Wert gewinnen. Und dies auch dann, wenn die Anzahl der Teilnehmer (Nachfrager) nicht steigt, wie es bei Erfolg der Währung zu erwarten wäre.
Und damit haben wir die ideale Voraussetzung für eine Deflation mit folgender Depression.

Quelle: destatis.de
Geld soll das zentrales Tauschmittel in einem Wirtschaftssystem sein. Ein solches ist in der Regel auf Wachstum ausgelegt und angewiesen. Das kann man gut oder schlecht finden, ist aber bis auf weiteres so. In der rechten Grafik zeigt ein Wirtschaftswachstum von 1970 bis 2012 von 733%.
Wenn man jetzt beide Grafiken (Geldmenge Bitcoin und Wirtschaftswachstum) übereinander legen würde springt ins Auge, was nicht zusammen passt. (Natürlich passen die Zahlenreihen nicht zueinander, aber es ist auch nur die Kurvenentwicklung interessant.)

Ich will jetzt noch gar nicht ins Detail gehen (nominales Wachstum vs. preisbereinigt, unterschiedliche Messungen der Geldmenge, ...) sondern nur das offensichtliche Problem darstellen:
Eine Währung, bei der die Geldmenge nicht mit der Wirtschaftsleistung mit wächst, führt zu einer Deflation, deren verheerende Auswirkungen 1930 weltweit und abgeschwächt in den letzten beiden Dekaden in Japan zu beobachten war.

These: Bitcoin ist ein instabiles System, das in seinen Auswirkungen mit einem Pyramidensystem vergleichbar ist. "Schneeballsysteme sind Spezialfälle von Systemen, welche auf unendliches Wachstum unter endlichen Rahmenbedingungen angewiesen sind und daher grundsätzlich instabil." (Q
Dabei entspricht das "unendliche Wachstum" der Wirtschaftsleistung (BIP), während die "endlichen Rahmenbedingen" durch die gedeckelte Bitcoin-Menge gegeben sind. 

Es ist kein klassisches Schneeballsystem, aber insofern ähnlich, als dass alle nachfolgenden Teilnehmer durch ihre Bitcoin-Nachfrage die bereits aktiven Teilnehmer bereichern. Und je früher man damit angefangen hat (und dementsprechend mehr Bitcoins man gekauft oder geschöpft hat), um so "reicher" wird man durch den zwingend steigenden Wert bei steigender Nachfrage.

Dies sind meines Erachtens die größten Handycaps der eigentlich faszinierenden virtuellen Alternativwährung, die eigentlich auch zu lösen sein müssten. Unzählige spannende Themen habe ich noch nicht angesprochen (Golddeckung, Wechselkursdeckelung, ..), aber das würde im ersten Schritt den Rahmen sprengen.

Abschließend noch eine Frage: Was passiert, wenn der Quantencomputer Realität wird? 
Antwort: Dann ist das gesamte kryptografische Verfahren, auf dem Bitcoins basieren, hinfällig. Aber das ist dann das kleinere Problem, weil die gesamte elektronische Kommunikation auf einen Schlag unsicher wäre.

Wo habe ich meinen Denkfehler? Ich freue mich auf Deine Kommentare.

Kommentare:

  1. Danke für den Artikel, es ist das Beste was auf meinem Display zum Thema "Bitcoin" in den letzten Tage erschienen ist.

    Auch bei Bitcoin geht es um... glauben (wie bei den Dollar, 1$ - In God we trust) und weniger um Beweise.

    Sie glauben auch an Ihre These, aber Sie bringen gleichzeitig gute Argumente gegen die Währung, Argumente die kräftig genug sind um das Vertrauen kleiner Investoren in... 0 und 1 zu erschüttern.

    Wie die Quantenmechanik besagt gibt es nur die Wahrscheinlichkeit, die Katze im Sack gibts vorher nicht! Meine Beobachtung verändert auch auf eine makro Ebene den Zustand des Bitcoins (wertlos/wertvoll)indem ich (kleiner Investor) Ihnen Glauben schenke.

    Umso mehr stellt sich für mich die Frage, ob Ihr Schreiben unterbewußt mit 1.April datiert ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Glauben" ist hier nicht das richtige Wort. Sondern eine Fiat-Währung basiert auf Vertrauen und Wissen um die Wirkmechanismen. Ich vertraue darauf, dass durch die Notenbanken die zur Verfügung gestellte Geldmenge in etwa der Gütermenge entspricht und deswegen das Geld ein adäquates Tauschmittel gegen die Güter ist und bleibt.

      Löschen
  2. Grundsätzlich sehe ich das eigentlich auch so. Aber: Deflation heißt ja Wertsteigerung des Geldes und daher ist eine "Investition" in BTC natürlich prinzipiell eine gute Sache. Dennoch muss dieses generelle Problem gelöst werden und ich hätte da auch eine Idee. Wenn ein Bitcoin nicht innerhalb eines Jahres mindestens einmal transferiert wurde, sollte es teilweise oder auch ganz verfallen. Problem dabei ist allerdings, dass man ja prinzipiell so viele Bitcoin Konten anlegen kann wie man will, so dass man den Bitcoin auch zwischen seinen eigenen Konten hin und her transferieren kann. Insofern wirklich ein Problem... wichtiger als eine ständige Erhöhung der Geldmenge (Inflationierung durch "Geld drucken") wäre m.E. eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit (was tendenziell ebenfalls eine Inflationierung darstellt).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Gedanke mit der Umlaufgeschwindigkeit kommt ja öfters mal hoch, um von der systemimmanenten Deflation „abzulenken“. Das löst aber meines Erachtens nicht das Problem, dass eine Währung zum Wirtschaftssystem passen muss. Die Umlaufgeschwindigkeit ist bei unserem Fiatgeld wichtig, um die Inflation zu messen, da eine große Geldmenge zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Inflation ist. Diese große Geldmenge muss auch „umlaufen“ und darf nicht gebunkert werden.

      Aber wie soll eine (relativ zur Gütermenge) stetig kleiner werdende Geldmenge immer schneller umlaufen?
      Eigentum aufzubauen ist ein wesentlicher Anreiz zum funktionieren unserer Wirtschaft. Wenn ich kein Eigentum aufbauen kann (sondern ausgeben muss), passt das nicht zur Marktwirtschaft.

      Löschen